Demotiviert

19:37 2 Comments


Ich muss zugeben, dass ich nie ein besonders aktiver Mensch war.
Es ist nicht so, dass ich nie Freunde hatte oder nie irgendwo eingeladen wurde, ganz im Gegenteil. Aber trotzdem habe ich diese sozialen Aktivitäten eher in Maßen genossen und es vorgezogen, meinen Mittwochnachmittag alleine daheim in meinem Bett mit einer Tasse Tee und einem guten Buch zu verbringen.

Das klingt romantischer, als es war; tatsächlich war ich, bevor ich vor einem Jahr meinen Freund kennengelernt hatte in einer ziemlichen Tiefphase. Ich steckte in einer unglücklichen, nicht näher definierbaren "Beziehung" und verbrachte meine freie Zeit unter der Woche mit Warten. Warten auf die nächste Nachricht, bis endlich ein neues Level in Candy Crush geladen hatte. An den Wochenenden ertränkte ich meinen Kummer in viel zu viel Alkohol.
Allgemein war ich während dieser Zeit sehr unglücklich und fühlte mich, als würde ich mein Leben verschwenden.

Erst mein jetziger Freund holte mich da raus. Ich verbrachte letztes Jahr eigentlich fast jeden Tag, den ich sonst alleine verschwendet hätte mit ihm. Es war eine wunderschöne Zeit; meine Demotivation und Unglücklichkeit verschwand Stück für Stück. Meine Lebenseinstellung änderte sich und ich erlebte nicht nur mit ihm ein unvergessliches Erlebnis nach dem Anderen.
Ich erinnerte mich mit komischem Gefühl im Bauch an die Zeit "davor".

Und dann zog mein Freund Anfang dieses Jahres weg. Nicht weit weg. Aber weit genug, um sich nur mit Glück jedes Wochenende zu sehen.

Zu Beginn fiel mir das wirkliche Problem dabei nicht auf. Im Januar warteten noch zahlreiche Klausuren, Abfragen und Referate auf mich, und da ich vier mal die Woche Nachmittagsunterricht habe, gab es nicht viel Zeit, die es zu füllen galt.

Aber jetzt ist Februar. Es ist Sperrwoche, eine Zeit in der Oberstufe zwischen Notenschluss und Ende des Halbjahres, in der keine Noten erhoben werden dürfen.
Und irgendwie ist sie zurück - die Leere, die ewige Demotivation. Ich komme um eins heim und mache nichts produktives, und dann ist 23 Uhr und ich gehe schlafen.

Und jetzt?

Kennst du dieses Gefühl reiner Demotivation oder kennst Tipps, die mir helfen könnten?
Tut mir übrigens Leid, dass die Posts in letzter Zeit zwar regelmäßiger kommen, dafür aber eine sehr depressive Stimmung vermitteln. Ich merk ja selbst schon, dass ich wie ein pseudodeepes Tumblrgirl klinge. Sorry dafür. 



um dem Image gerecht zu werden.

Kommentare:

  1. Hey Lea!
    Erst einmal muss ich sagen, wie fasziniert ich von deiner reifen und sicheren Schreibweise bin. Hätte ich nicht vorher dein Youtube-Video gesehen, hätte ich niemals gedacht, dass solch ein Text von einer 16-jährigen jungen Dame kommt. Kommt bestimmt vom vielen Lesen😀

    Doch um auf deinen Inhalt einzugehen: Ja, ich kenne es, wenn man in ein Loch fällt. Ich war knapp 1 Jahr lang in so einem Loch und es war schrecklich. Das ganze Leben hatte seine Farbe verloren. Nichts machte mehr Sinn. Alles fühlte sich lauwarm an. Ständig war ich müde. Erschöpft. Demotiviert - wie du es nennen würdest. Doch wie konnte ich mich daraus befreien? Wie habe ich mein Lächeln und meine Lebensfreude wieder erlangt?

    Ich sag es dir: Durch eigene Kraft. Eines Tages stand ich auf und hab gesagt: Alter, es reicht! Ab heute mache ich einen Neuanfang! Und das tat ich auch. Ich habe einen neuen Job angefangen (den ich eigentlich nie wieder machen wollte), bin wieder zu meinen Eltern gezogen (wo ich nie wieder hin wollte) und habe mir einfach eingestanden, dass ich noch nicht so stark war, wie ich gedacht habe. Eine bittere Niederlage, ganz klar. Und genau DAS Ist der ERSTE Schritt, Lea. Man muss sich die Niederlage eingestehen und den Stolz kurz aufgeben. Dann erst kann man an seinen Fehlern und Schwächen arbeiten und wachsen.

    Mein Ziel war es damals schon Schriftsteller zu werden, doch in der mega schlechten Lage in der ich mich fand, sah es übel aus. Daher machte ich mir wieder bewusst warum ich Schriftsteller werden wollte. Ich wollte Menschen mit meinen Worten erreichen. Ich wollte Kindern eine tolle und spannende Geschichte erzählen. Ich wollte tolle Werte wie Freundschaft und Güte vermitteln. Ich wollte sehr viel Geld verdienen, sodass ich für sehr viele Tiere etwas tun konnte. All das machte mir Mut. Doch reichte dies, um aus dem Loch zu kommen?

    Nein. Dazu war ich zu depressiv. All das war gut genug, um mein Herz höher schlagen zu lassen. Doch um wirklich aus einem tiefen Loch raus zu kommen bedarf es mehr. Ich habe Gott sei Dank sehr tolle Freunde, die mich immer wieder ermutigen und sagen, dass ich ein toller Mensch bin. Dazu habe ich meinen Tanzsport und das Schreiben meine größte Leidenschaft! Wenn du auch eine Leidenschaft hast, dann lebe sie erst recht aus, wenn es dir nicht gut geht. Kämpfe gegen dich selbst, Lea! Unser aller größter Feind sind wir selbst. Die Stimme in uns die sagt, "Du bist schwach. Du schaffst das nicht. Keiner findet dich toll." Diese Stimme lügt!

    Diese Stimme kannst du besiegen, Lea. Steh früh am morgen auf und gehe eine runde um den Block. Gehe danach warm duschen. Mache dir einen heißen Kakao. Schalte den Radio an oder lausche deiner Lieblingsmusik. Schreibe ein Gedicht. Zeichne den schönsten Gegenstand in deinem Zimmer und male ihn danach aus. Backe einen leckeren Kuchen. Telefoniere mit einer Freundin. All das sind Tätigkeiten des Lebens! Je mehr du machst, desto lebendiger wirst du dich fühlen. Leere entsteht, wenn keine Energie fließt, kein Schall ertönt oder einfach nichts passiert. Breche diesen Fluch! Nicht darüber nachdenken, ob es sinnvoll ist spazieren zu gehen - tu es einfach. Es kann nur sinnvoller sein als herumzudösen! Wenn du das eine Woche lang durchziehst wirst du die all die Zeit schlummernde, lebensfrohe Lea in dir wieder entfachen.

    Sorry, wenn ich zu viel geschrieben habe.

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    1. Hallo erstmal :)

      Danke für das liebe Kompliment, und tatsächlich bin ich auch fest davon überzeugt, dass mein Schreibstil vom vielen Lesen herrührt, außerdem habe ich vor ein paar Jahren sehr viel selbst geschrieben. Naja. So viel dazu.

      Auf jeden Fall tausend Dank dass du dir meinen kleinen Post so zu Herzen genommen hast und mir so eine ausführliche Antwort gegeben hast ! Ich bin gerade total glücklich, dass jemand das, was ich schreibe liest und wirklich versuchen will mir zu helfen. Und mich nicht einfach nicht ernst nimmt und sagt, dass ich mich mal zusammenreißen und an die Kinder in Afrika denken soll - überspitzt formuliert. Genau davor hatte ich nämlich vor der Veröffentlichung ziemlich Angst.
      Und nein, du hast auf keinen Fall zu viel geschrieben (auch wenn ich mir beschämt eingestehen muss, dass dein Kommentar den eigentlichen Text, was die Länge anbelangt um Welten übertrifft), ich kann dir gar nicht sagen, wie geehrt ich mich fühle dass du dir diese Zeit genommen hast.
      Ich muss wirklich sagen dass deine Antwort mir unglaublich viel Motivation schenkt, nicht nur wegen deinen Tipps, und dass ich versuchen werde deine Ratschläge zu befolgen, so gut es eben geht. Hoffen wir mal, dass mein lebensfrohes Ich wieder erwacht :)

      Nochmal herzlichen Dank, eigentlich kann ich mich gar nicht genug bedanken, und liebe liebe Grüße an dich

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