Zukunftsängste

22:59 6 Comments



Die Oberstufe ist eine unglaublich stressige Zeit. Während ich von einer Klausur zur nächsten Ex zum übernächsten Referat renne und danach abgefragt werde, und dabei tatsächlich irgendwie noch versucht das Ganze mit meinem Privatleben unter einen Hut zu bringen, fällt es mir dann doch eher schwer, Zeit zu finden, über die Zukunft nachzudenken.
Das sind dann die Gedanken, die Nachts kommen, wenn ich mal wieder nicht einschlafen kann. Und mit diesen Gedanken kommen dann auch die ganzen Sorgen und Ängste.

Klar, das Kultusministerium ist nicht komplett untätig, speziell was die Zukunft der Gymnasiasten in der Oberstufe angeht. Seit der Einführung des G8 ist die Anzahl der Studenten, die ihr erstes Studium abbrechen deutlich gestiegen – und dieser Entwicklung versucht man vermehrt entgegenzuwirken. Da gibt es dann Berufs- und Universitätsvorbereitende Seminare, im ersten Halbjahr der 11. gefühlte 20 Vorträge zu diesem Thema, Besuche im Berufsinformationszentrum und natürlich zahlreiche Selbsterkundungstests.
Essentiellere Dinge wie beispielsweise Persönlichkeitsentwicklung werden dadurch leider nicht unterstützt.
Eigentlich weiß ich, was ich „später“ mal mit meinem Leben anfangen will.
Aber wenn ich mir dann die beiden Berufs- und Studiums Heftchen anschaue, die ich noch durcharbeiten muss empfinde ich eher ein Gefühl von Angst als Sicherheit. Wenn ich zum Beispiel eintragen soll, welche Schwächen mich für meinen Traumberuf disqualifizieren, würde ich am liebsten sagen, dass mir das egal ist. Oder nicht egal – zumindest aber habe ich noch Zeit, um an diesen Schwächen zu arbeiten. Aber diese Option steht nicht zur Auswahl. Entweder beherrsche ich etwas, tue es nicht oder weiß gar nicht darüber Bescheid. Das verunsichert mich. Dieses schwarz- weiß Denken, dieser nie endende Versuch, jeden Menschen in eine Gruppe einteilen zu können – das demotiviert mich und führt nicht gerade dazu, dass ich mich intensiv mit einem Beruf beschäftige.

Aber immerhin habe ich das Glück, überhaupt zu wissen, in welche Richtung ich gehen will. Viele meiner gleichaltrigen Freunde haben entweder gar keine Ahnung, werden zunehmend durch schlechte Noten verunsichert oder stecken in einer Ausbildung fest, die sie eigentlich gar nicht machen wollen.

Es ist leicht zu sagen, dass man doch seinen Traum verfolgen soll. Aber wie soll das gehen, wenn man sich zwar wirklich für etwas interessiert, aber nicht mit dem Schulsystem zurechtkommt und den NC nicht erreicht? Wie soll das funktionieren, wenn man Angst hat, seine Traumausbildung/studium durchzuziehen und dann arbeitslos auf der Straße zu sitzen? Woher soll man wissen, was der eigene Traum ist, wenn man eigentlich nie danach gefragt wurde, sich nie damit wirklich auseinandersetzen musste?


Ich habe Angst vor der Zukunft.
Ich habe Angst davor, keinen Studienplatz zu ergattern, den Ansprüchen nicht gerecht zu werden, keine Arbeit zu finden.
Ich habe sogar Angst davor, mir nur Gedanken über die Zukunft zu machen.
Letztendlich habe ich Angst davor, zu träumen.

Natürlich gibt es da noch eine andere Seite, die, die bei diesen Gedankengängen empört aufschreit. Wenn ich doch daran glaube, wenn ich doch wirklich auf etwas hinarbeite, dann muss das doch zu schaffen sein. Was sollen überhaupt diese Zukunftsängste, ich soll doch lieber mal dieses Buch von Eckhart Tolle zu Ende lesen und wirklich anfangen, im Jetzt zu leben – dann würde ich einige Stunden meines Lebens weniger verschwenden. Anstatt über so etwas nachzudenken, sollte ich mich lieber hinsetzten und weiter an meiner Kunstmappe arbeiten, denn das wäre wenigstens sinnvoll. Und überhaupt. Kreative Menschen werden in der Zukunft gefragt sein. Und mich mit anderen zu vergleichen bringt im Endeffekt nichts, also kann ich damit gleich aufhören. Lieber meinen eigenen Stil definieren und perfektionieren, ihn zu etwas einzigartigem machen.

Meistens gewinnen diese Gedanken – aber eben nicht immer.



Kommentare:

  1. Du setzt dich unter Druck und das macht dich panisch. Denk immer nur an das was morgen vor dir liegt und du verschaffst dir Pausen zum planen der Zukunft. LG Romy

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    1. Das, was ich beschrieben habe ist ja kein Dauerzustand - zum Glück. Trotzdem vielen lieben Dank für den Rat !:)

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  2. Hallo Lea. Wir kennen uns nicht, aber ich habe gerade deinen Post gelesen und meine eigene Panik während der Oberstufenzeit wiedererkannt. So wie ich das sehe, bist du mit deinen 16 Jahren schon wahnsinnig reif, gerade WEIL du dir über das Thema Zukunft und Beruf überhaupt so den Kopf zerbrichst. Die meisten kehren das unter den Teppich, bis der Abiball vorbei ist und die Bewerbungsfristen abgelaufen sind und machen dann entweder erstmal gar nichts oder beginnen ein Studium oder eine Ausbildung, um eben einfach irgendetwas zu machen. Glaub mir, wenn ich dir sage, dass du mit deinem darüber Nachdenken zum jetzigen Zeitpunkt den anderen bereits um eine Nasenlänge voraus bist. Sicher machen einem die Gedanken trotzdem Angst. Das wird ja das erste Mal sein, dass du dir selber etwas aussuchst und für deine eigene Wahl verantwortlich bist. Die Angst davor kann dir auch leider niemand nehmen. Dennoch würde ich sagen, es ist gut, dass du sie hast. Denn das beweist eigentlich nur, dass du ein verantwortungsbewusstes und kluges Mädchen bist.
    Ich persönlich habe nach einem abgebrochenen Studium und einer abgebrochenen Ausbildung zwei Dinge gelernt:
    Erstens: Research über Studieninhalte und mögliche Ausbildungsberufe macht (nach der Überwindung der "Angst vor dem Anfangen") nur dann weiterhin Angst und verursacht Demotivation, wenn es nicht das ist, was dich wirklich interessiert. Und zweitens: wenn du etwas anfängst und doch merkst, dass du dich nicht "angekommen" fühlst, du dich unheimlich überwinden musst, deine Hausaufgaben für eben dieses Studium/ diese Ausbildung zu erledigen, du immer wieder zweifelst, ob du die richtige Wahl getroffen hast oder deine innere Stimme dich eigentlich in eine ganz andere Richtung schickt - dann BRICH ES AB. Ganz einfach. Ein Studienabbruch ist kein Beinbruch und nichts ist es wert, dass du dabei unglücklich bist. Informationsveranstaltungen sind teilweise nichts anderes als Marketing für Hochschulen und Universitäten und da wird dir keiner sagen, dass die wirklich interessanten Inhalte erst im letzten Semester auf dich warten oder du an dieser Uni garantiert keinen Sitzplatz bekommst, wenn du nicht 20 Minuten vor Vorlesungsbeginn im Hörsaal aufkreuzt. Deshalb versuch, dich so genau wie möglich über das zu informieren, was dich interessiert. Und zwar von verschiedenen Blickwinkeln. Warum gerade dieser Studiengang? Was will ich eigentlich danach machen? Wenn mich der Beruf reizt, nicht aber der Studiengang, gibt es vielleicht andere Wege, dorthin zu kommen? Sind die Studenten an dieser Hochschule zufriedener als an der anderen? Und vorallem: Bleib dir treu. Du bist nicht allwissend, sondern einfach Schülerin. Du kannst nichts dafür, dass in den Schulen so viel Zeit mit dem endoplasmatischen Ritikulum und Bertolt Brecht verschwendet wird, anstatt die Schüler mal von ihrer unverschuldeten Weltfremdheit zu erlösen. Du kannst dich nur so umfassend informieren, wie es einer Schülerin eben möglich ist. Und wenn es dann trotzdem nicht passt, such nach Alternativen und geh. Denn das ist meiner Auffassung wirkliche Stärke. Nicht etwas auf Teufel komm raus durchzuziehen, sondern den Mut zu haben, genug zu haben und etwas (für dich) Besseres zu finden. Das hat absolut nichts mit Aufgeben zu tun!

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  3. Ich bin mittlerweile sehr glücklich mit meinem BWL Studium an einer Berliner Hochschule. Meine Noten sind super und der Kram (nicht alles natürlich, aber das ist okay) macht mir Spaß. Ich weiß, was ich danach anstrebe und das Gefühl, nach 5 Monaten Ausbildung meiner Chefin die Kündigung auf den Schreibtisch zu legen, war unbezahlbar. Es ist nämlich manchmal genauso wertvoll zu wissen, was man NICHT will, wie zu wissen, was man will. Und ich würde an den letzten Jahren nichts ändern wollen. Übrigens war mein abgebrochenes Studium auch BWL - allerdings an einer überfüllten, kalten und unpersönlichen Eliteuni. Nicht mein Ding. :)

    Als letztes möchte ich dir als ehemalige Deutsch-Leistungskurs-Haberin noch einen Insidertipp geben: Feile an deinen Schreibskills! Du schreibst jetzt schon fantastisch, hör nicht auf damit. Mit Schreiben kann man sehr viel Reißen, denn das können erstaunlicherweise die Wenigsten. Es ist wirklich unglaublich, was man selbst in den Hausarbeiten der Mittzwanziger zu sehen bekommt. Also auch, wenn du das nicht zum Beruf machen solltest, Schreiben können ist in fast jedem Beruf ein wertvolles Talent. Da kannst du manchmal sogar Stuss von dir geben, ohne dass es jemandem auffallen würde. ;)

    Ansonsten bleib wie du bist. Denn so wie ich das sehe, bist du ein ganz tolles Mädchen, dass sich unheimlich viele und ernste Gedanken macht und, wenn es sich davon nicht verrückt machen lässt, einen wunderbaren Platz in dieser Welt finden wird!

    P.S.: Sorry für den laaangen Monolog! Ich hoffe, dass ich dich ein winziges Stück aufheitern konnte. :)

    Liebste Grüße
    Shari

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    1. Hey Shari,
      Erstmal ein riesiges Dankeschön an diesen informativen und wirklich lieben Kommentar. Ich bin ganz gerührt von der Vorstellung, dass sich jemand wirklich hinsetzt und mir einen Kommentar, der unglaublich weit über üblichere "schön geschrieben" hinausgeht. Vielen,vielen Dank dafür.
      Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht so genau, was ich dem von dir geschriebenen noch hinzufügen soll, also lass ich wohl lieber einfach deinen Kommentar für sich sprechen- und versuche, mir deine Ratschläge zu Herzen zu nehmen.

      Nochmal lieben Dank.

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  4. Nichts zu danken, meine Liebe! Freut mich sehr, wenn ich dir ein paar kleine Informationen geben konnte.
    Habe dich einfach mal auf Instagram abonniert. Hoffe, das ist okay :)

    Shari

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