Ist Batman v Superman: Dawn of Justice wirklich so schlecht?

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Quelle: Offizielle Stills (c) Warner Bros.
Ich mag Batman v Superman: Dawn of Justice, und habe das Gefühl, damit sehr alleine dazustehen.
Als Superman (Henry Cavill) in Man of Steel (2013) halb Metropolis zerstört und letztendlich sogar seinen Gegenspieler ermordet hat, habe ich mich gefreut. Weil es nahezu ein Ding der Unmöglichkeit ist, eine interessante Geschichte über den Mann zu erzählen, der alles kann und nur eine einzige Schwachstelle hat, die auch in jedem einzelnen Handlungsstrang ausgeschlachtet wird.
Die Drehbuchautoren Chris Terrio und David Goyer (der übrigens auch an Nolans Batman Trilogie mitgeschrieben hat) setzen an einem Punkt an, der bisher unbeachtet blieb. Was ist die logische Konsequenz, die realistische Reaktion der Menschheit auf eine Kreatur, die ihnen zwar hilft, aber die Macht hat, die ganze Welt zu zerstören? Was passiert, wenn sich kritische Stimmen gegen Superman erheben? Eine zentrale Frage, die sogar als Bild in einer Szene umgesetzt wird und an einen der frühreren Filme des Regisseurs Zack Snyder anlehnt: „Quis Custodiet Ipsos Custodes“ - „Who watches the Watchmen?“
Quelle: Offizielle Stills (c) Warner Bros.

In der ersten und einer der stärksten Szenen des Films sehen wir den uns bekannten finalen Kampf aus Man of Steel aus der Perspektive Bruce Waynes, und erkennen als Zuschauer einmal mehr, wo das Problem mit Supermans Macht liegt.
Ben Afflecks Batman wird dafür kritisiert, nicht der ikonischen Figur des dunklen Ritters zu entsprechen. Er benutzt Schusswaffen, er tötet Menschen, er brandmarkt seine „Opfer“. Damit wird fortgeführt, was sich schon in der The Dark Knight- Triolgie abzeichnete. Batman wird durch seine Taten, durch sein jahrzehntelang andauerndes Schaffen, durch all die Opfer vom Symbol der Hoffnung zum Anti-Helden, dessen Motive zu Recht hinterfragt werden müssen. Bruce Wayne sagt in einer Szene sogar selbst zu seinem Butler Alfred Pennyworth (sehr schön: Jeremy Irons), dass sie Beide schon lange zu den Kriminellen gehören.
Dieser Batman, der unverkennbar an Frank Millers revolutionäres Graphic Novel „The Dark Knight Returns“ aus den 80ern angelehnt ist, hat nunmal beinahe nichts mehr mit der düsteren, aber doch heroischen Figur gemein, die uns bekannt ist.
Quelle: Offizielle Stills (c) Warner Bros.

Und doch sind seine Motive, Superman auslöschen zu wollen, vielleicht gerade wegen seiner eigenen Geschichte so nachvollziehbar dargestellt. Alfred sagt an einer Stelle: „That's how it starts. The fever, the rage, the feeling of powerlessness that turns good men... cruel.“ Es ist möglich, dass er in diesem Moment nicht unbedingt nur über die Gefahr redet, die von Superman ausgeht, sondern darüber, was in der Vergangenheit bereits mit Batman geschehen ist.
Obwohl ich als bekennender Christian Bale Fan von Anfang an mit Ben Affleck nicht zufrieden war, muss ich an dieser Stelle meinen Hut vor seiner Verkörperung ziehen. Bruce Wayne wirkt gesetzt, ruhig, überlegt, fast wie ein Kriegsveteran. Afflecks Batman hingegen ist mächtig, ein Berg aus Muskeln, ein Tier, dass dem Alien zeigen will, was es bedeutet ein Mensch zu sein.
Quelle: Offizielle Stills (c) Warner Bros.

Jesse Eisenbergs Lex Luthor mag sehr viel anders erscheinen als der glatzköpfige Bösewicht, den wir aus zahlreichen Superman Comics kennen. Betrachtet man aber die letzte Szene, in dem seine Haare abrasiert werden und somit die Verkörperung während des gesamten Films als Vorgeschichte, so erscheint mir die Darstellung als sehr plausibel und wahnsinnig gut gelungen. Was uns hier präsentiert wird, ist eine Vorgeschichte, der Beginn einer wahnsinnig guten Charakterentwicklung.
Oft wird kritisiert, das es sich nicht klar herauskristallisiert, warum Lex Luthor Superman hasst, wobei es meiner Meinung nach simpler nicht sein könnte als das, was auch schon im Film selbst erwähnt wird. Luthor ist Psychopath und hat Angst, eine gefährliche Mischung, außerdem hat er im Gegensatz zu allen anderen Möglichkeiten, etwas gegen seine Furcht zu tun.
Quelle: Offizielle Stills (c) Warner Bros.

Wir müssen uns nicht darüber unterhalten, wie wunderbar Wonder Woman (Gal Gadot) ist, und wie groß die Vorfreude auf die angeteaserten restlichen Mitglieder sein dürfte. Ich persönlich hab mich bei den Cameos vor Begeisterung fast auf dem Kinosessel halten können. Klar, Batman v Superman: Dawn of Justice ist in diesem Punkt, und am Ende des Tages auch insgesamt eine Investition für die zukünftigen Filme des DC Universums.
Ich mag Superman v Batman: Dawn of Justice wegen dem Plot, der zwar an einigen Stellen eher fragwürdig ist, zu lang, mit zu vielen unwichtigen Subplots, es aber doch schafft, aus zahlreichen guten Comics etwas herauszuziehen und zu verarbeiten. Jason Todds Robin Kostüm, mit der Handschrift des Jokers versehen aus „Tod in der Familie“. Der ultimative Bösewicht, den man als Doomsday interpretieren könnte, „Der Tag, an dem Superman starb“, oder die kleinen Hinweise auf Darkseid. Wie oben bereits genannt natürlich „The Dark Knight Returns“. Das ist schön gemacht, das ist Balsam für die Seele eines jeden Comicfans.
Was für mich im Endeffekt die Kirsche auf dem Sahnehäubchen war, ist der wunderbare Soundtrack. Hans Zimmer und Junkie XL haben verdammt gute Arbeit geleistet, den Soundtrack von „Man of Steel“ weiterzuführen, ihn ganz neu zu verarbeiten, ihn so episch und mächtig zu machen, dass er bei jedem anderen Film überladen wirken würde. Supermans Thema, dass wir bereits aus dem Film von 2013 kennen, ist eine hoffnungsvolle Klimax, die ruhig daherkommt, aus wenigen Tönen besteht, den Mann aus Stahl in seiner Wucht aber gekonnt interpretiert. Batmans Thema, allein von Junkie XL komponiert, da Hans Zimmer noch nicht genug Distanz von sein geniales Werk für Christopher Nolan hat, ist gewaltig und wird dem dunklen Ritter in jeder Facette gerecht. Und auch das, was wir vom wunderbaren Thema Wonder Womans hören durften, diese einprägsame Melodie auf dem E-Cello war herausragend. Die Filmmusik von Batman v Superman ist so gut, dass ich sie mir auf CD kaufen würde. Ich hab das letzte Mal vor vier Jahren eine CD gekauft.
Nein, Dawn of Justice ist kein Meisterwerk. Als Gründe dafür wären beispielsweise die Überlänge dank mancher unnötiger Szenen, das eher schlecht gelungene CGI und der, vor allem für Leute ohne Vorwissen durchwachsene und schwer folgende Plot zu nennen. Und doch bin ich mehr als positiv überrascht, weil ich einen ordentlich gemachten Film gesehen habe, der bei weitem nicht so schlecht ist, wie an vielen Stellen behauptet wird und locker mit denen aus dem Marvel-Universums mithalten kann.
Quelle: Offizielle Stills (c) Warner Bros.


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Alle verwendeten Bilder sind offizielle Stills aus dem Film (c) Warner Bros.

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